Solo-Entwickler veröffentlichen vollständige Spiele mit KI-Tools
Der März 2026 könnte der Monat sein, in dem „Vibe Coding“ den Sprung von einer Neuheit in die Praxis geschafft hat. Mehrere Solo-Entwickler und Zweierteams veröffentlichten vollständige, spielbare Spiele, die überwiegend mit KI-Tools entwickelt wurden. Keine Prototypen. Keine Demos. Echte fertige Produkte, einige davon auf Steam.
Void Balls: 29.000 Codezeilen in 10 Tagen
BigDevSoon veröffentlichte „Void Balls“, einen Bullet-Hell-Plattformer, in nur 10 Tagen. Die Zahlen sind beeindruckend: 29.000 Zeilen C#, 173 Skripte, 88 Testdateien, 5 Gegnertypen und 15 Power-ups. Der Workflow nutzte 8 parallele Claude-Code-Agenten, die jeweils einen anderen Bereich des Spiels übernahmen – etwa Physik, Gegner, Benutzeroberfläche oder Audio.
Die Grafiken stammten aus Replicate-Modellen. Für Sprites kam Flux 2D Game Assets zum Einsatz, für UI-Elemente Recraft V4 Pro. Das Audio wurde mit ElevenLabs generiert. Koordiniert wurde das Ganze von einem einzigen Entwickler, der die KI-Agenten ähnlich wie ein Projektmanager sein Team anleitete.
Vollständige Spiele mit Claude Code und GPT-5 Codex entwickeln
Grumbulus: zwei Abende, zwei Entwickler
Zwei Entwickler entwickelten an zwei Abenden „Grumbulus“, ein Browserspiel, in dem man als Gewitterwolke eine Stadt zerstört. Das Spiel besteht aus 15.000 Zeilen Vanilla JavaScript und bietet prozedurales Audio sowie Parallax-Rendering. Der gesamte Code wurde mit Claude Code generiert. Keine Frameworks, keine Spiele-Engine. Nur pures JS und zwei Leute mit einer witzigen Idee.
Ein Roguelike an einem Wochenende
Barret Blake entwickelte an einem einzigen Wochenende mit Claude Code einen webbasierten Roguelike-Dungeon-Crawler. Das Spiel bietet prozedurale Dungeon-Generierung, rundenbasierte Kämpfe, Inventarverwaltung und mehrere Gegnertypen. Blake dokumentierte den Prozess in seinem Blog und zeigte, wie er in rund 48 Stunden von der Idee zum spielbaren Spiel gelangte.
Catvivors erscheint auf Steam
Der KI-Forscher Przemek Chojecki veröffentlichte „Catvivors“ am 13. März im Steam Early Access. Es handelt sich um einen Roguelite-Auto-Battler, in dem man als Katze gegen Gegnerwellen kämpft und der mit Claude Code und Codex entwickelt wurde. Das Spiel bietet 6 spielbare Charaktere, mehr als 15 Waffen mit Weiterentwicklungen und 24 handgefertigte Level. Es kostet 4,99 US-Dollar und läuft unter Windows, Mac und Linux.
CODEX MORTIS: „zu 100 % mit KI entwickelt“
Die kühnste Behauptung stammt von CODEX MORTIS, das am 26. März im Steam Early Access erschien und sich als „weltweit erstes zu 100 % mit KI entwickeltes Spiel“ bezeichnet. Laut Entwickler GROLAF wurden jede Codezeile, jedes Sprite und die gesamte Musik mithilfe von KI-Tools erstellt.
Das Spiel selbst ist ein nekromantisches Survival-Bullet-Hell. Eine kostenlose Demo lockte im Dezember 2025 insgesamt 10.500 Spieler an, deren Sitzungen im Durchschnitt 71 Minuten dauerten – mehr als viermal so lang wie der Branchendurchschnitt für Indie-Demos. Vor der Veröffentlichung schaffte es das Spiel auf Steams Liste „Beliebte bevorstehende Veröffentlichungen“. Der Twitch-Streamer Asmongold spielte es und bezeichnete es als „ziemlich gut“.
KI-gestützte Spieleentwicklung mit Cursor und Claude im Test
Was das bedeutet
Der gemeinsame Nenner all dieser Projekte ist nicht, dass KI den Entwickler ersetzt hat. Vielmehr hat KI den Zeitaufwand drastisch verkürzt. Aufgaben, die früher Wochen dauerten, lassen sich jetzt in wenigen Tagen erledigen. Ein Solo-Entwickler kann heute mehrere KI-Agenten parallel einsetzen und damit praktisch als Creative Director agieren, anstatt jede Codezeile von Hand zu schreiben.
Die ersten 80 % entstehen schnell. Für die letzten 20 % – den Feinschliff und das Spielgefühl – ist weiterhin menschliches Urteilsvermögen erforderlich. Doch die Hürde, ein vollständiges Spiel zu veröffentlichen, ist deutlich gesunken.